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17.07.2008
Am 15. Juli fand im Karl-Schüssler-Saal der Fachhochschule Köln die Disputatio genannte, öffentliche Diplomkritik statt.

Die Aufgabensteller waren eingeladen, zwei ihrer Diplomanden auszuwählen, die sich dann der Kritik der gesamten Fakultät - Lehrenden und Studierenden - sowie der eingeladenen Öffentlichkeit stellen. Vier Aufgabensteller nutzen die Gelegenheit um ihr Diplomthema zu repräsentieren. Die Professoren Jürgen von Brandt und Marian Dutczak vom Institut für Städtebau hatten zwei Arbeiten ausgewählt, Michael Werling und Norbert Schöndeling hatten einen Diplomanden erkoren, Hannes Herrmanns und Carola Wiese sowie Uwe Schröder machten jeweils von der Möglichkeit Gebrauch zwei Arbeiten vorstellen zu lassen.

Bemerkenswert war die Wahl der Bestuhlung. In der Mitte ergab sich ein Gang, an dessen einem Ende die Absolventen ihren Vortrag hielten, am anderen Ende der Fragesteller stand. Rechts und links des Ganges befanden sich jeweils vier Stuhlreihen auf den mittigen Gang ausgerichtet. Dahinter waren beiderseits die besprochenen Arbeiten präsentiert. Einerseits das Institut für Baugeschichte und Denkmalpflege und das Institut für Städtebau mit drei Arbeiten, andererseits das Institut für Entwerfen, Konstruieren, Gebäudelehre mit vier Arbeiten.

Der Ablauf sah vor, dass zunächst der Aufgabensteller eine kurze Einleitung zu seiner Aufgabe gab, bevor die ausgewählten Bearbeiter ihre jeweilige Arbeit ebenfalls kurz und thesenhaft darstellten. Daran schloss sich die Diskussion an. Als "Anheizer" war dafür Günter Pfeifer, Professor für Entwerfen und Wohnungsbau an der Technischen Universität in Darmstadt, vorgesehen. Ihm fiel die undankbare Rolle zu, in der Kürze der Vorträge Kritikpunkte zu finden und unbequeme Fragen zu stellen. Dabei fiel auf, dass es den Vortragenden häufig nicht gelang, präzise Antworten auf die gestellten Fragen zu geben. Die Ursache hierfür könnte die geringe zeitliche Distanz sein, die zwischen dem völligen Abtauchen in der Diplomaufgabe und der nun erwarteten Konfrontation mit einem Fragesteller lag, dessen Art, Weise und Haltung den Diplomanden völlig unbekannt ist. In den meisten Fällen arbeiteten die Studierenden über Jahre hinweg, teilweise ausschließlich, mit dem Professor zusammen, der ihnen nun auch die Diplomaufgabe gestellt hatte. Neben der Auszeichnung, als die der Aufruf zur Teilnahme an der Disputation ausdrücklich galt, dürfte es für die Verfasser daher positiv gewesen sein, sich ein letztes Mal als Studierende vor größerem Publikum präsentieren zu können, um sich der eigenen Fähigkeiten hinsichtlich Auftritt, Präsentation und Vortrag gewahr zu werden, bevor von ihnen Ähnliches zukünftig ohne den Nimbus des Lernenden verlangt wird.

Für die übrigen Besucher, die die Fakultät kennen, offenbarten sich die üblichen Zerwürfnisse zwischen den Lehrenden. Dabei handelt es sich bekanntermaßen nicht nur um Reibereien in der Architekturauffassung, die ja nicht nur üblich, sondern darüberhinaus hilfreich, förderlich und befruchtend sind, sondern um die Auffassung, wie gelehrt werden soll: Praxisorientiert oder theoretisch. Ist es Aufgabe der Professoren, die Studierenden soweit zu schulen, dass das Diplom als Ausweis der Praxistauglichkeit dienen kann, oder ist das Diplom die letzte Möglichkeit sich theoretisch mit einer Aufgabe zu beschäftigen, bevor man sich im Büro noch früh genug mit Dingen wie Bauphysik oder Baustofflehre beschäftigen muss. Diese unterschiedlichen Auffassungen machen sich in der Diskussion bemerkbar, wenn "die Architekten" des Instituts 1 die Konzeptionslosigkeit der anderen Arbeiten bemängeln, "die Städtebauer" feststellen dass es selten sei dass sie, die Crafts, sich zu den Arts, den Architekten, gesellen würden und "die Denkmalpfleger" es als Beleg für gute Arbeit sehen, wenn die Entwürfe neben der denkmalpflegerischen auch der wirtschaftlichen Prüfung standhalten können, worüber, man ahnt es, sich wiederum "die Architekten" echauffieren. Selbstverständlich vollzieht sich dieser Bruch auch innerhalb der Studentenschaft. Für manch einen mag es eine erfreuliche Überraschung gewesen sein, dass er an einer Fachhochschule überhaupt die Möglichkeit hat, sich in dieser Intensität mit Architekturtheorie beschäftigen zu können, für wieder andere mag die Anwesenheit der Werkstofflabors ein ausschlaggebender Grund für die Studienortswahl gewesen sein. Eine Bandbreite im Angebot ist allerdings nur solange gut, wie sie der Lehre insgesamt nicht schadet. Dieses Dilemma, das bei diesen Veranstaltungen regelmäßig augenfällig wird, manifestiert sich aber bereits in der Tatsache, dass dies alles an einer Hochschule stattfindet, die Fachhochschule heißt, sich aber eine universitäre Organisationsstruktur mit Fakultäten und Instituten gibt. Würde diese Fakultät eine eindeutige Ausrichtung bekommen, böte sich die Möglichkeit, zu solchen Anlässen weniger die Form der Lehre zu diskutieren, als vielmehr ihre Inhalte.

Die eingangs erwähnte Bestuhlung erinnert stark an das House of Commons, das Unterhaus des britischen Parlaments. Dort sitzen sich Regierung und Opposition frontal gegenüber, wichtige Politiker und Regierungsvertreter in der ersten Reihe, dahinter die übrigen Abgeordneten. Man hätte ein schönes Spiel daraus machen können, die Besucher am Eingang zu bitten, sich zu positionieren. Wer Opposition und wer Regierung ist, entscheidet die Mehrheit.
In London ist es Tradition dass die Queen nie das Unterhaus betritt. Dekanin Brigitte Caster ist übrigens nicht gesehen worden.


Daniel Hubert
A JUGEND disputatio 01
[+] Die Bestuhlung erinnerte an das britische Unterhaus

A JUGEND disputatio 02
[+] These und Antithese stehen sich gegenüber

A JUGEND disputatio 03
[+] Prof. Günter Pfeifer von der TU Darmstadt wurde als "Anheizer" eingeladen.

 

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