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Die Idee der Stadt | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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05.10.2008 Über Konzepte einer rationalistischen Architektur wurde zwei Tage lang im Rahmen des deutsch-italienischen Kongresses "Die Idee der Stadt" in der Fachhochschule Köln, Fakultät für Architektur, debattiert. Primär sollte erörtert werden, in wieweit Konzepte einer rationalistischen Architektur als Mittel genutzt werden können, um den gegenwärtigen Problemen der europäischen Stadt zu begegnen. Rationalismus und Architektur Was aber bedeutet rationalistische Architektur? Ein Gedankengang: Architektur rational gestalten. Architektur rationalisieren. Architektur nach zweckmäßigen Grundsätzen gestalten. Architektur ein Regelwerk geben. Architektur könne sich nicht auf ein naturwissenschaftliches Regelwerk beziehen, brauche aber trotzdem eine Notwendigkeit, so Giorgio Pigafetta. Wie kann aber ein Zusammenhang zwischen der Architektur und einem System aus Regeln wie auch Gesetzen entstehen? Die Architektur, will sie denn rationalistisch sein, sei gezwungen ein archetypisches Modell zu finden: Sie ahme ihren eigenen Bauprozess nach. Somit imitiert sie sich selbst. Die Unabhängigkeit von der Zeit scheint hierbei wesentlich: "Das, was bleibt, ist wichtiger und besser als das, was passiert." Die Logik müsse herbeigezogen werden, um über anthropologische, kulturelle Aspekte der Architektur nachdenken zu können. Antonio Monestiroli ergänzt, Rationalismus sei eine Art zu denken, Kenntnisse anzunehmen, eine Haltung, um sich verständlich machen zu können. Er fordert Formen einfach zu halten, essentielle Formen zu nutzen, die sich verständlich machen. Es gehe um Idealismus, nicht um Ideologie - Vollkommenheit also und nicht Anschauung. Walter Arno Noebel behauptet: Wenn jemand vernünftig entwerfen wolle, gebe es nur die rationalistische Herangehensweise. Wobei Rationalismus nicht als Stil sondern als Entwurfsstrategie verstanden werden müsse, wie Jan Kleihues ergänzt. Rationale Architektur müsse sinnlich und abstrakt sein, behauptet Max Dudler. Kybernetisches Prinzip Bei rationaler Architektur spiele das Licht keine Rolle, kritisiert Hans Kollhoff. "Als hätte man sich einen Arm abgehackt" beraube sich die Architektur so ihrer Wirkung. Der voranschreitende klimatische Wandel erfordere Architekturen, die sich natürlicher Energien wie der Sonne oder dem Wind bedienen. Als Überlebensstrategie nennt Günter Pfeifer Nachhaltigkeit. Die Gebäudekonfiguration müsse durch solare Zonierung und entsprechende Geometrien bestimmt sein. "Die Fortschreibung des architektonischen Anspruchs wird sich zukünftig nicht allein aus funktionalen und ästhetischen Determinanten zusammensetzen, sondern aus der Einsicht, dass Architekturen zu entwickeln sind, in denen das Verhältnis zwischen dem Teil und dem Ganzen kybernetischer Natur ist." Wie lassen sich aber gestalterischer Anspruch und ökologisches Bauen kombinieren? Die Reduktion eines Baukörpers dürfe lediglich soweit reichen, dass alle energetischen Aspekte immer noch gelöst werden könnten. Hinzu kommt, dass es nicht nur eine einzige Entscheidung beim Entwurf gebe, sondern mehrere Wege, um dem Gestaltungsanspruch gerecht werden zu können. Die beiden Aspekte dürften sich nicht widersprechen, sondern müssten ganzheitlich kombiniert werden, so Pfeifer. Die tradierten Wohntypen, welche ohne technische Raffinessen in der Lage sind, ein angenehmes Klima zu erzeugen, müssten mehr in den Vordergrund rücken, hier könne nach Pfeifer die Antwort für die Zukunft der Stadt liegen. Letztendlich werde energieoptimiertes Bauen eine Frage der Verdichtung sein: Kurze Wege innerhalb des städtischen Gefüges seien maßgeblich und nicht nur ein energieoptimiertes Haus allein, wie ein Teilnehmer kommentiert. Städtischer Raum Eine Stadt besteht aus vielen einzelnen Objekten. Letztlich könne aber nur aus einzelnen Schönheiten etwas gemeinsames Schönes werden, wendet Klaus Theo Brenner ein. Problematisch allerdings, da heute die meisten Städte nur noch aus Fragmenten bestehen, was vor allem auf die Kriegszerstörung zurückzuführen ist. Die Architekten hätten die Fähigkeit verloren, in und mit der Stadt entsprechend umzugehen. Betrachte man den öffentlichen Raum einer Stadt, entdecke man alten und neuen Städtebau. Wesentlich dabei sei die Verbindung von Privatem und Öffentlichem. Es gehe nicht nur um den architektonischen, sondern vor allem um den sozialen Raum, wobei das Ganze wichtiger sei als ein Teil. Wir müssten uns auf das Gute der heutigen Städte besinnen, sagt Nicola Di Battista. Paul Kahlfeldt glaubt die Antwort in der Vergangenheit zu finden: Man müsse die Geschichte kennen, sich die Frage stellen, was Relevanz hat und aus diesem Fundus schöpfen. Dann sei auch das Ergebnis eine Neuschöpfung. Um tanzen zu können, müsse man schließlich auch erstmal laufen lernen. Die Geschichte der Stadt zu nutzen, das ist auch nach Christoph Mäckler die Lösung für den Stadtbau der Zukunft. Man müsse die Ideen des Ortes in der Geschichte suchen, die Typologien und die Materialien aufnehmen. Somit sieht er die Lösung nicht im Rationalismus, nur die Inhalte der Schriften von Oswald Mathias Ungers und Aldo Rossi könnten eine Hilfestellung geben. Es müsse die Sprache der Stadt aufgenommen und Architekturen sich in den Dienst dieser stellen, sich unterordnen. Noebel widerspricht. Er behauptet, die "grammatikalische Stadt" müsse ein Ensemble aus Teilen sein, welches sich zu einem Ganzen auf der Basis eines rationalen Systems füge. Blöcke, Straßen und Plätze könnten in den unterschiedlichsten Deklinationen zu diesem Zweck genutzt werden. Dudler schlägt die Brücke: Durch die Summe von Räumen, Plätzen und Straßen müsse Stadt geschaffen werden, die die Historie aufnehme und sie mit neuen Gebäudekomplexen bestücke. Städtischer Raum müsse als eigenes Haus empfunden werden, so Di Battista. Wenn wir uns auf die Worte von Pfeifer besinnen, dass in den vergangenen hundert Jahren 82 Prozent des heutiges Baubestandes entstanden sind, besteht durchaus die Möglichkeit unsere Städte neu zu konfigurieren und eine Idee nicht nur eine Idee bleiben zu lassen. Franziska Tokarski |
![]() ![]() Es wird synchron übersetzt: deutsch-italienisch, italienisch-deutsch ![]() [+] Andreas Denk (2.v.l.) im Gespräch mit Antonio Monestiroli, Hans Kollhoff und Massimo Fagioli (v.l.) ![]() Günter Pfeifer erläutert kybernetische Prinzipien ![]() Nicola Di Battista beschreibt seine Ideen zur europäischen Stadt ![]() [+] Uwe Schröder (r.), Initiator des Kongresses ![]() [+] Jasper Cepl (m.) debattiert mit Nicola Di Battista und Günter Pfeifer (v.l.) ![]() In den Pausen lädt der Innenhof zum Verweilen ein ![]() [+] Michael Mönninger (m.) fragt kritisch bei Paul Kahlfeldt (l.) und Klaus Theo Brenner (r.) nach ![]() [+] Gerwin Zohlen (r.) hinterfragt Walter Arno Noebel, Jan Kleihues und Bernd Albers (v.r.) © Silja Schöttler, Stephanie Ludwig, Franziska Tokarski |
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